Monday, 7 June 2010

Lochmaben nach Arran (Lochranza)

Um 6.13 Uhr standen wir auf, frühstückten, packten alles zusammen und brachen dann unseren Rekord: um 7.30 Uhr fuhren wir los.

Wir wählten heute unsere Regenausstattung, weil es ein paar Schauer geben sollte. Ich persönlich mag es nicht im Regen zu fahren, genauer gesagt: Ich hasse es, besonders, wenn es kalter Regen ist. Also fing ich an zu singen: „Sonne, liebe Sonne, komm schein auf uns herab…“.

Oli fuhr heute heute ein wenig früher los als Jorrin und ich. Er entscheid für eine Hauptverkehrsader, wir hingegen nahmen die Abkürzung durch die Berge entlang am Fluss Ae und durch den Wald. Als wir so durch die friedliche Landschaft radelten, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: der Toilettenschlüssel!! Ich hatte Dugal, dem Platzwart aus Lochmaben, versprochen ihm den Toilettenschlüssel zurückzugeben bevor wir losfahren. Ich habe es vergessen… Er war immer noch in meiner Tasche. Ich hielt sofort an, um ihn anzurufen. Ich dachte zumindest, ich würde ihn anrufen. Ich habe irgendeinen Typen morgens um kurz vor 8 Uhr aufgeweckt und ihm erzählt, dass ich seinen Toilettenschlüssel noch hätte und ihm denselbigen sobald wie möglich per Post zusenden würde. Er hatte überhaupt keine Ahnung wovon ich da redete. Nachdem ich ihm die Sache wieder und wieder erklärt hatte, teilte er mir endlich mit, dass ich mich wohl verwählt haben muss… Ich entschuldigte mich, rief dann wirklich bei Dugal an und versprach ihm, den Schlüssel direkt zurückzuschicken.

Kurze Zeit später holten wir Oli ein. Nach einer 5 km langen Abfahrt, kamen wir auf die Hauptverkehrsstraße nach Cumnock. Wir näherten uns leise und ich ließ meinen Fuß an Olis Hinterrrad schleifen. Sein Gesicht war ein Anblick für die Götter, er dachte nämlich sein Reifen hätte versagt.

In Höchstgeschwindigkeit ging es gemeinsam nach Cumnock, wo wir zu Mittag essen wollten. Bisher sind wir durch einige leichte Schauer gefahren und unsere Sachen waren ein wenig nass. Wir entschieden dann das Mittagessen doch ausfallen zu lassen, weil Ian nicht dort sein würde. Heute Morgen hatte die Batterie vom Saab bereits geschwächelt, außerdem lief an diesem Tag sein MOT (brit. Äquivalent zum TÜV) aus. D.h. er fuhr nach Dumfries in eine Werkstatt. Dort sagten sie ihm, er müsse das Auto komplett entladen, damit sie es untersuchen können. Die Mechaniker stellten fest, dass die hinteren Stoßdämpfer erneuert werden müssen und noch einige andere Kleinigkeiten. 460 €… Großartig! Ian zahlte es und war froh, dass die Werkstatt alles schnell erledigen konnte.

Wir fuhren weiter bis nach Kilmanack und hielten beim „Little Chef“. Dort gingen wir ins Bad, zogen die nassen Sachen aus und hielten sie unter das Trockengebläse. Wir nutzten die Gelegenheit gleich, um dort zu essen und Kaffee zu trinken. Dann ging es weiter nach Ardrossan auf der Insel Arran. Dieses Stück bewältigten wir ziemlich schnell, unterstützt vom Rückenwind. Genau rechtzeitig waren wir an der Ardrossan Fähre (35 €, 3 Personen, hin und zurück).

Auf der anderen Seite angekommen, ging es direkt in Richtung Norden zu unserer Herberge in Lochranza. Die Insel Arran wird auch „Miniatur-Schottland“ genannt. Es gibt dort wirklich schöne Strände und Berge, es ist somit ideal zum Wandern, Bergsteigen, Kajak fahren und natürlich zum Rad fahren. Das Klima ist jedoch anders als im Rest Schottlands. Es ist wärmer, fast mediterran, es gibt Palmen und allgemein eine sehr üppige Flora. Wir radelten noch weitere 22 km, was sich dann auf 120 km für den gesamten Tag summierte.

Das Hostel, indem wir übernachteten, war zuvor 18 Monate lang geschlossen und wurde in der Zeit für über 550.000 € saniert und renoviert.

Oli und ich ruhten uns auf unserem schicken, neuen Zimmer aus, während Damian und Jorrin die Nachbarschaft erkundeten (d.h. sie waren im Pub). Ian kam eine Stunde später an und erzählte uns die Geschichte mit der Werkstatt und wie er im letzten Moment die letzte Fähre für heute erwischt hat. Wir sind mächtig stolz auf ihn, dass er das alles an einem Tag geschafft hat!


Wir hatten dort ein richtiges Luxusabendbrot: Blattsalat mit Birne, Käse und Croutons, dazu Couscous, Pasta, Sauce und Getränke. Kohlenhydrate und viel Eisweiß, genau das Richtige für uns!

Irgendwann war es 1.27 Uhr und definitiv Zeit fürs Bett.

Quelle : http://www.hughspicer.fsnet.co.uk/arranpag.htm


Zitate:

Oli: „Mein Hintern tut so weh, ich kann gar nicht mehr sitzen!“

Jorrin: „Machst du den ‚Deuan’ bei mir?“ Das Bremsen des Hinterrads vom Vordermann mit dem Fuß.

Oli: „Was hast du grad gesagt!? Bei mir lief gerade Radio Oli. Meine musikalischen Lieblinge wie The Beatles, The Rolling Stones… Aber auch ein paar andere Lieder wie ‚Die Straße nach Kilmanack, die Straße zur Hölle.’ oder ‚Ihr n ehmt die sch**ß Straße, ich nehme das Navi.’“ Olis Genuschel, nachdem wir uns auf der Straße wieder trafen.

Jorrin: „Mir wird kalt! Wollen wir nicht umkehren und nach Lands End zurückfahren? Dann nennen wir es LELE, Lands End – Lockerbie – Lands End!“

Ian: „Ich glaube mir wird schlecht!“ Nach 190 km, mitten im Nirgendwo, ohne Trinken und Essen.

Oli: „Das einzige, was mir im Moment nicht weh tut, ist mein rechtes Nasenloch.“

Arnside nach Lochmaben (Dumfries)

Wie schön… Heute war mein Ruhetag. Nach der gestrigen Tour war das auch bitter nötig. Meine Aufgabe heute war es den Van zu fahren und zu filmen. Es ging in Richtung Kirkstone Pass (Lakedistrict nahe Windermere). Dieser Pass ist wahrscheinlich der steilste im ganzen Vereinigten Königreich. Aber heute nicht für mich.

Um 9.30 Uhr ging es los, später als geplant, wie immer. Als ich durch die Lande fuhr, konnte ich teilweise nebenbei filmen. Das ist natürlich unvernünftig und nicht zur Nachahmung empfohlen, aber wie sonst sollten wir zu gutem Material für unsere Dokumentation kommen? Ich versuchte so dicht wie möglich an den Jungs zu bleiben und Zusammenstöße jeglicher Art zu vermeiden.

Wir kamen am Kirkstone Pass an, ich fuhr vor, um oben auf die anderen zu warten. Das war ein Aufstieg!! Die Jungs kamen nur langsam voran und ich hatte Zeit, die Umgebung mit der Kamera festzuhalten. Dann kamen sie. Ich filmte noch schnell wie sie an mir vorbei düsten und dann sprang ich zurück ins Auto, um ihnen auf der rasanten Abfahrt zu folgen. Bei dieser Geschwindigkeit hatte ich mit dem Van Schwierigkeiten hinterher zu kommen. Ihr könnt euch das dann in den Videos ansehen. Bei 72 km/h wünschte ich nur, ich würde jetzt auch auf meinem Rad sitzen.

Im Tal hielten wir an und arrangierten uns ein Mittagessen in Carlisle (Schottland). Plötzlich bemerkte ich, dass ich aufgrund einer CO2-Sperre nicht durch das Tal fahren durfte und musste wieder zurück zum letzten Hügel. Ich nutzte die Zeit, um meine 100 ungelesenen E-Mails zu checken und ein paar davon zu beantworten. Ich telefonierte mit Martin und verabschiedete mich von Janine, die uns verlässt, um nach Berlin zurückzukehren – wir werden sie vermissen!

Die Jungs kamen 14.30 Uhr am Rastplatz an, später als erwartet. Ich hatte Sandwichs vorbereitet, dazu gab es auch noch Brot mit Erdnussbutter, Marmelade, Trinken und Obst. Danach ging es zu unserem Ziel für heute: Lohmaben (Dumfries). Heute war es meine Aufgabe einkaufen zu gehen. Ich war in Dumfries bei Aldi und besorgte Essen fürs Camping heute Abend: Lachs, Brot, Milch, Käse, Erdnussbutter, Marmelade, Salat, Saft.

Im mobilen Internet suchte ich einen Zeltplatz in der Nähe. Ich fand einen und rief gleich dort an, um einen Standplatz zu bestellen. Ich suchte den Weg heraus, fuhr dorthin und traf den Platzwart Dugal. Der Zeltplatz war am Kirk Loch in Lochmaben, Dugal begrüßte mich sehr freundlich. Als ich von unserem Projekt erzählte, war er sofort begeistert und bot uns den Stellplatz sogar kostenlos an! An dieser Stelle n ochmals: VIELEN DANK!


Ich entlud das Auto und fing an, die Zelte aufzubauen, bereitete alles für das Grillen und die Betten vor. Während ich auf die anderen wartete, hatte ich Gelegenheit am Blog zu schreiben und die Umgebung zu erkunden. Dann machte ich mein Fahrrad fit, allein dafür benötigte ich eine Stunde (Schrauben festziehen, Säubern de r Kette und der Räder, Anpassen der Bremsen). Um 19.30 Uhr kamen die anderen endlich an.

Die Jungs waren vollkommen erledigt. Oli fiel förmlich von seinem Rad und fing an, sich zu entschuldigen: „Es tut mir leid, ich konnte einfach nicht mehr! Ich brauche was zu trinken! Mir tut alles weh!“. Er kam bekam etwas zu trinke n und eine Dusche. Dann kamen Jorrin und Ian auch an. Sie haben heute ca. 210 km (!!) zurückgelegt.


Es gab dann Abendessen. Wir lachten viel und sprachen mit einigen Passanten. Ein Brummifahrer spendete sogar noch etwas für unser Projekt. Um 23 Uhr gingen wir ins Bett, im Wissen um 6 Uhr wieder aufstehen zu müssen. 7 Uhr wollten wir losfahren.

Friday, 4 June 2010

Peckforton nach Arnside (bei Lancaster)

Wir erwachten in unseren luxuriösen Zimmern um 6.45 Uhr. Als alle Sachen gepackt waren, ging es um 7.30 Uhr zum Frühstück. 9 Uhr wollten wir starten. Schon das Aufstehen fiel mir schwer, meine Beine taten weh, einer meiner Zehen war komplett taub, meine Handgelenke waren nur teilweise funktionstüchtig. Jorrin verzog das Gesicht als er versuchte sein Bein zu bewegen. Für ihn gab es zum Frühstück Schmerzmittel. Das gleiche für Oli, der immer noch mit seinem Knie zu kämpfen hatte. Damian ging es gut, bis auf seine Finger, die auch von Zeit zu Zeit taub wurden. Deuan, der uns nur 2 Tage begleitete beklagte sich über Schmerzen in seinem Allerwertesten. Die letzten Tage haben bei uns allen Spuren hinterlassen. „Warum hab ich mich darauf eingelassen? Wie lange noch? Ich wünschte ich hätte ein besseres Rad… Warum habe ich nicht mehr trainiert?“, diese Gedanken gingen mir durch den Kopf.

Irgendwann konnten wir uns gar nicht mehr auf die Landschaft konzentrieren, wir ersehnten einfach nur noch das Ende des Tages. Der Fokus rückte auf die effektivste Fahrweise, in kürzester Zeit möglichst viele Kilometer zu schaffen. Ich versuchte bei jeder Gelegenheit durch Draften den Luftwiderstand so gering wie möglich zu halten und an Geschwindigkeit zuzulegen. Mit einer guten Aerodynamik kommt man teilweise voran ohne zu treten, idealer Weise fährt man dann hinter jemandem, der aufrecht sitzt und sich dann einen abstrampelt. ;) Aber es geht hier auch nicht darum, wer der Schnellste ist, sondern, dass wir im Team von A nach B kommen, ohne dass jemand vor Erschöpfung umfällt oder sich verletzt. Während der Touren verbesserte ich meine eigene Aerodynamik, zumal unser „Roadtrain“ meist von einem der besser trainierten Fahrer angeführt wurde.

Okay, wo war ich? Ach ja, wir aßen also Frühstück in unserem großartigen Hotel. Wir machten noch ein paar Fotos mit einem der Chefs des Hotels und dann ging es wieder auf die Straße. Es ging so ziemlich konstant geradeaus mit nur leichten Steigungen. Wir fuhren vorbei an Northwich, Warrington, Bolton und Blackburn. Leider waren die Straßen auf der Strecke ständig voll, das war ziemlich nervtötend. Dann kamen wir in die Gegend von Bowland Forrest. Die Landschaft veränderte sich schlagartig. Von Bäumen und Gebüsch zu NICHTS, außer ein paar kleinen Blumen und ein bisschen Berggras. Wir mussten einen steilen Pass hinauf nach Lancaster und hatten ständig Wind von vorn. Egal wohin man sich drehte, der Wind blies einem immer ins Gesicht. Für jeden Pedalentritt warf uns der Wind wieder einen halben zurück.


In Lancaster angekommen waren es noch verbleibende 20 km bis zu unserer Herberge in Arnside. Es war die Hölle und wir alle hofften, die Jugendherberge würde nach jeder Kurve wie von Zauberhand plötzlich auftauchen… was nicht passierte. Bis um 19.30 waren wir unterwegs. Das war das beste Hostel auf der ganzen Reise bisher. Das Abendessen dort war wirklich sehr gut. Es gab Pasta mit scharfer Sauce und Thunfisch und dazu ein kaltes Getränk. 

Wir sprachen darüber nun doch einen Ruhetag einzulegen. Das heißt wir mussten allen Jugendherbergen die wir gebucht hatten, bescheid sagen, dass wir später kommen würden. Leider konnten wir niemanden erreichen und so verwarfen wir die Idee wieder. Es sollte weitergehen, aber nicht für mich. Ian und ich tauschten Plätze, sodass ich einen Tag für den Van und die Kameras zuständig war. Bis 1 Uhr morgens habe ich noch am Blog geschrieben und ging dann in unser 5-Mann-Zimmer… (Hatte ich schon erwähnt, dass man von diesen Proteindrinks ganz schreckliche Blähungen bekommt?) … Ähm… Bis zum nächsten Mal!

Thursday, 3 June 2010

Abergavenny nach Peckforton

Oli weckte uns um 6.30 Uhr. Wir hatten weitestgehend alles für die Abfahrt am Abend zuvor vorbereitet. Nun musste alles andere schnell gehen: Zelte und Grill abbauen, Frühstück, Zähne putzen, das Auto beladen. Das alles dauerte bis 9 Uhr. Dann mussten wir noch 35 € für die Übernachtung bezahlen. Damian reiste von seinem Hotel eigenständig ab.Die ersten Kilometer fuhren wir durch beeindruckende Landschaft den Gospel Pass hinauf nach Hay-on-Wye. Der Weg bergauf war ganz schön anstrengend. Flora und Fauna veränderten sich schnell während wir weiter hinauffuhren. Am Anfang blüte noch alles in Hülle und Fülle und zum Schluss gab es nur noch kleine Bergblümchen. Überall waren Schafe! Wir konnten unsere tollen Kameras von Acton Cameras leider nicht benutzen um das alles festzuhalten – die Batterien waren leer. Zwischendurch hatte Jorrin einen Platten und benötigte ganze 35 Minuten (!!) um den Reifen zu reparieren. Es hätte nur 5 Minuten gedauert einen neuen Schlauch einzusetzen.
Wir kamen also eine halbe Stunde später oben an. An der Spitze fühlte es sich an als würde man vom Himmel aus die Erde betrachten. Wir atmeten noch einmal tief durch und dann kam die Abfahrt! 65 km/h Spitzengeschwindigkeit. Deuan wurde direkt übermütig. Es ist schon eine riskante Strecke mit Steinen, Sand, scharfen Kurven und Gegenverkehr. Aber Deuans Erfahrung und Intuition brachten ihn diesmal sich nach unten.
Als wir in Hay-on-Wye ankamen trafen wir Ian. Wir aßen frisches Obst und leckeren Kuchen (Geheimtipp von Deuan) und tranken Tee. Es ging weiter. In Wem trafen wir Ian erneut. Einige Kilometer zuvor hatte es zu regnen begonnen und wir waren nass bis auf die Knochen. Wir zogen uns regensichere Kleidung an und aßen zur Stärkung ein paar Nüsse. Es waren immer noch 50 km bis Peckforton, wo wir übernachten wollten. Wir ließen die Berge hinter uns, es ging auf gerader Strecke weiter. Der Regen wurde stärker und wir bildeten unsere „Kettengang“, fuhren also alle dicht hintereinander. Dadurch kamen wir super voran. Wir sahen wie sich ein anderer Radfahrer näherte und erkannten, dass es Damian war, der mit seinem Rad einige Probleme hatte. Wir drosselten das Tempo um ihm eine Chance zu geben uns einzuholen. Er konnte leider nicht ganz mithalten, weil er seine schwere Tasche am Rad hatte. Kilometer um Kilometer zog an uns vorbei und plötzlich waren es schon über 30 in einer Stunde. Das trotz der widrigen Bedingungen. Peckforton rückte immer näher und wir konnten es kaum erwarten. Im Peckforton Castle gab es alles, was unser Herz in dem Moment begehrte: eine Dusche, Abendessen und ein Bett. Jorrin hatte uns diese Übernachtung organisiert. Das Personal war sehr freundlich und es gab alle erdenklichen Extras für uns. Zum Abendessen gab es ein nettes 2-Gänge-Menü. Danach rief ich Pam an und ging dann zu Bett.

450 km bin ich in den letzten Tagen gefahren. Übrigens: mein iPhone hat einen Sturz ins Wasser überlebt und sich nach 2 Tagen schon wieder regeneriert.
Zitate und Fakten:
„Lasst uns eine Kettengang bilden“ – alle fahren in einer Reihe hintereinander um den Windschatten des Vordermanns optimal zu nutzen, der erste Platz in der Reihe wird stetig getauscht und die anderen halten sich warm und sparen Energie.

„Warum draftest du nicht?“ Dirk und Oli zu Damian. Beim Draften beugt man den Oberkörper während der Fahrt nach vorne um möglichst wenig Luftwiderstand zu erzeugen.

„Möchte jemand etwas „Magic“?“ – Spitzname für uns eren Sport-Energy-Drink

„Warn mich vor den verd***ten Schlaglöchern!“ Oli zu Damian. Oli fuhr ganz hinten und konnte deshalb die Straßenschäden nicht rechtzeitig erkennen.

„Schlagloch, Auto, Schaf, Huckel…“ Damian nach Olis Au fforderung.

Karte Jorrin und Navi Damian haben sich geeinigt uns gemeinsam in die Irre zu führen.
„Ist es noch weit? Wie viele Kilometer müssen wir noch? Sind wir bald da?“ Dirk…

„Geradeaus, ähm… nein, hier müssen wir links… n ein, warte. Gerade aus…“ Unser großartiges Navi.

„WIE WEIT IST ES NOCH?“ Dirk…

Street nach Abergavenny (Pandy)

Der Morgen begann damit, dass Damian uns um 6.45 Uhr geweckt hat. Wir waren alle noch ziemlich zerstört, aber wir mussten weiten. Wir haben schließlich eine Mission. Ich entschied mich dazu heute nicht aufs Rad zu steigen, da ich nicht das ganze Projekt gefährden wollte. Damian, Ian und Deuan waren um 8 Uhr abfahrtbereit. Jorrin hatte es trotz Drängeln mal wieder nicht geschafft. Als er fertig war und feststellen musste, dass alle anderen schon weg waren, beschloss er mit mir dort zu bleiben. Jorrin organisierte uns einen Ausflug zum Wookey Hole, einem Höhlenlabyrinth in der Nähe von Wells. Da kamen wir um 10 Uhr an, haben ein Eis gegessen und gingen in die Höhlen. Der Fremdenführer machten einen guten Job und erklärte alles sehr anschaulich. Diese Höhle ist seit Menschengedenken eine religiöse Stätte und ein Zufluchtsort. Hexen sollen dort auch ihr Unwesen getrieben haben. Die letzte wurde von einem Mönch vertrieben indem er sie (und leider auch seinen Hund) mit Weihwasser benetzte und sie damit in Stein verwandelte.

Jorrin war die ganze Zeit sehr unglücklich mit der Situation heute Morgen einfach zurückgelassen worden zu sein, zumal er ja schon fast fertig war. Er regte sich darüber auf wie viel Zeit und Geld diese ganze Tour schon gekostet hatte und dass es jetzt nur so mäßig lief. Ian und Jorrin waren schon drauf und dran die 1000 Meilen Challenge zu verlassen. Jorrin war mit Damians Verhalten sehr unzufrieden. Einerseits möchte er, dass alle bereit sind, wenn er es ist, andererseits hält er scheinbar nichts von Teamwork und beteiligt sich kaum an Aktivitäten wie beispielsweise das Beladen des Autos. Damian ist eben darauf aus morgens früh aufzustehen und loszuradeln. Die Challenge besteht aber in erster Linie darin als Team zusammenzuarbeiten. Die Dokumentation des ganzen ist ebenso wichtig um es für die Öffentlichkeit und gerade auch für unsere Sponsoren sichtbar zu machen. Es kam sogar zu dem Punkt, an dem Jorrin und Ian haben wie sie wieder nach Hause fahren. Es war schwer für mich unparteiisch zu sein, da ich mit Jorrin und Damian gleichermaßen befreundet bin und beide Seiten verstehen kann. Letztendlich bedeutete Ians und Jorrins Abreise, dass ich oder jemand anders aus der Gruppe ab jetzt den Van fahren müsste und nicht mehr mit dem Rad fahren konnte.

Nachdem wir die Höhle verlassen hatten, rief ich Oli an und wir verabredeten uns alle in Cheptow. Im Auto stellten wir fest, dass es die schlimmste Lösung wäre die Challenge jetzt zu verlassen. Wie beschlossen wie geplant heute Abend zu campen. Damian würde in einem 5-Sterne-Hotel bei den Back Mountains übernachten. Als wir uns trafen fingen Jorrin und Damian sofort an heftig zu diskutieren über unsere Probleme wie Teamwork, Verspätungen und endloses Warten, Abweichen von der Route und mangelnde Rücksichtnahme auf die Filmarbeiten.
Wie fanden heraus, dass das Navi die Radler wirklich große Umwege fahren lässt und Oli beschloss ab jetzt darauf zu verzichten. Mit erhitzten Gemütern machten wir uns wieder auf den Weg. Radler und Nicht-Radler getrennt. In Abergavenny kamen wir mit dem Auto nach einer Stunde an, so hatte ich noch Zeit für das Blog. Wir wollten am Abend grillen, also fuhren wir zu Tesco um einzukaufen. Kurze Zeit später rief Oli an, dass die Fahrradtruppe jetzt am vereinbarten Treffpunkt ist. Sein Bein machte ihm zu schaffen nach seinem Unfall in der letzten Woche, Deuans Rücken ging es auch nicht viel besser. Die Jungs sind fast 120 km gefahren und sehnten sich einfach nach etwas Ruhe und Essen.

Ian suchte im mobilen Internet nach Bauernhöfen in der Nähe, wo wir unsere Zelte au fschlagen könnten. Wir fuhren dann nach Pandy, 7 km entfernt. Wir stellten unsere Zelte beim The Rising Sun Inn auf. In Rekordzeit standen Lager und Grill. Ich machte das Essen während die anderen duschen gingen, danach machten wir alle gemeinsam den Abwasch und r einigten bzw. reparierten die Räder. Wir fühlten uns endlich wieder wie ein Team und die 1000 Meilen Challenge konnte weitergehen.

Friday, 28 May 2010

Tintagel nach Street

Heute würde ein harter Tag werden. 170 km durch Cornwall und Devon, dann in Richtung Glastonbury. Wir sind recht pünktlich losgefahren. Und auch heute hat sich die Gruppe getrennt. Damian, Oli und ich starteten mit dem Navi. Jorrin und Ian fuhren später los, weil Jorrin immer noch nicht fertig war als alle anderen starten wollten. Rechtzeitiges Aufstehen ist eben wichtig, auf der anderen Seite ist Teamzusammenhalt eben so wichtig.

Wir sind gut, wenn auch langsam, durch Cornish gekommen. Von Tintagel ging es über Tiverton nach Withereage, wo wir Tom Staniford trafen. Er ist ein Mitglied des britischen Radteams bei den Paralympics. Bald kamen auch Jorrin und Ian nach. Wir fuhren einige Kilometer mit Tom und seiner Freundin. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon 100 km geschafft. Leider war es aber auch schon 17 Uhr und wir hatten noch 65 km vor uns, das würde bei der Geschwindigkeit sicher noch 5 Stunden dauern. Das Navi lenkte uns ständig von den Landstraßen weg, was uns wieder mal unheimlich viel Zeit kostete. Wir einigten uns auf einen Kompromiss zwischen Navi und Landkarte um optimal voranzukommen und trotzdem die Landschaft genießen zu können.

Um 21 Uhr wurde es dunkel und wir mussten immer noch 26 km fahren. Im Dunkeln kam mir der Weg endlos vor. Wir blieben in der Gruppe und warnten Autos per Lichtzeichen. Um halb elf war ich völlig am Ende. Ich hatte einfach keine Energie mehr, mein Mund war trocken. Das waren keine guten Bedingungen eine unbekannte Straße zu befahren, nachdem man schon 11 Stunden unterwegs war. Mir war schlecht und mein Herz brannte von dem Energydrink. Ich hatte das Bedürfnis mich einfach nur auf die Straße zu legen und nicht mehr aufzustehen.

Wir sahen Glastonbury von weitem und wussten es könne nicht mehr weit sein bis nach Street. Nach weiteren schrecklichen 7 km kamen wir bei der Jugendherberge an. Es war 23 Uhr und Deuan kam raus um uns zu begrüßen. Wir waren alle nicht mehr sehr begeisterungsfähig und wollten nur noch duschen, essen und dann schlafen gehen. Ich viel ins Bett, das Deuan mir gemacht hatte, musste aber nach 10 Minuten schon wieder aufstehen um zu Abend zu essen. Ian und Deuan hatten Nudeln, Reis und Sauce gemacht, dazu gab es Tee. Ich konnte meine Gabel kaum noch richtig festhalten. Diesen Tag werde ich nie vergessen! 11 Stunden nur auf dem Fahrrad, 170 km Natur pur aber definitiv nichts für Zartbesaitete.

Thursday, 27 May 2010

Lands End - Tintagel

Die Nacht in der Jugendherberge verging schnell. Ich bin um 5.00 Uhr das erste Mal und schlief wieder ein, ich wachte um 6.00 Uhr wieder auf und schlief wieder ein. Um 7.00 Uhr bin ich dann aufgestanden. Oli, Damian und seine Freundin Andrea waren bereits wach. Jorrin und Ian haben noch geschlummert, nachdem sie sich am Abend zuvor mit den Einstellungen der einzelnen Kameras beschäftigt hatten. Zwischen 8.00 und 9.00 Uhr sollte es heute losgehen. Zum Frühstück gab es eine große Schale Haferschleim mit Banane und Honig, dazu einen Chai Tee. Für den Hunger zwischendurch bereitete ich mir Sandwichs vor. Das Packen und Beladen hat eine ganze Weile gedauert und als es bald 10.30 Uhr war wurde Damian langsam ungeduldig. Er war schon 9.00 Uhr abfahrtbereit, Jorrin musste aber erst noch einige Teile an seinem Rad befestigen.

Das war das erste Mal, dass Damian und Jorrin aneinander geraten sind. Damian wollte so schnell wie möglich losfahren, während bei allen anderen noch Chaos herrschte. Es gab tatsächlich einige Dinge, die wir eher hätten erledigen müssen. Der Plan für heute war es 8 km bis Lands End und von dort nach Cornwall zum Eden Project zu fahren, wo Jorrin uns einen netten Empfang organisiert hat. Unser Endziel war eine Jugendherberge in St. Just. Insgesamt standen 100 km durch unwegsames Gelände, enge, steile Straßen mit bis zu 20 % Gefälle. Das härteste Gebiet zum Fahrradfahren in ganz England. Wir haben die erste Etappe nach Lands End geschafft nachdem Ian uns noch einen Vortrag über die Etikette des Radfahrens im Team gehalten hat. (Nach steilen Anstiegen sollte man auf seine Gefährten warten, vor Schlaglöchern warnen, etc…) Er hat sich wirklich bemüht die Gruppe zusammenzubringen.

In Lands End trafen wir Andrea. Dort starten viel Radsportler ihre Touren oder kommen dort an. Wir trafen ein paar Jungs, die es ohne weitere Unterstützung von John O’Goats dorthin geschafft haben. Wir versuchen das in 10 Tagen zu schaffen mit Unterstützung durch den Van, zwei mal Zelten, ohne freie Tage zwischendurch, 100 Meilen (130 km) am Tag.

Der Tag war durchzogen mit Verzögerungen, verursacht durch Spannungen in der Gruppe… Bis 13 Uhr sind wir immer noch nicht richtig auf Tour gewesen. Damian hatte sein Navigationsgerät bereits auf die Jugendherberge in St. Just eingestellt, Jorrin hingegen hat sich hingegen, wie geplant, auf seiner Karte die Route zum Eden Project herausgesucht, was einen Umweg von 26 km bedeutet. Zuerst sind wir alle Damian gefolgt, aber als klar wurde, dass sein Weg nicht über das Eden Project führte, entschieden sich Jorrin und Ian sich von der Gruppe zu trennen und allein dorthin fahren.

Oli, Damian und ich beschlossen direkt nach St. Just zu fahren, es war immerhin schon fast 13.30 Uhr und wir hatten noch ca. 115 km vor uns. Die Landschaft in Comish war wirklich atemberaubend. Während wir die teilweise ziemlich engen Straßen auf und ab fuhren, konnten wir wunderbar die grüne Natur bestaunen. Wir sahen mit Palmen gesäumten Stränden und viele exotische Pflanzenarten. Am blauen Himmel brannte die Sonne. Bei 30°C kamen wir ganz schön ins Schwitzen. Wir tranken Wasser mit Aktivformel, das mit so viel Süßstoff versetzt war, dass mein Hals wehtat und mein Magen anfing verrückt zu spielen. Der Erfinder des Süßstoffs sollte bestraft und das Zeug verboten werden.

Die Fahrt ging schmerzhaft langsam voran… Die bergige Landschaft verlangte uns alles ab. Wir nahmen hauptsächlich die Landstraßen um die stärker befahrenen Straßen zu meiden. Das war eigentlich der perfekte Weg, aber das Navi war teilweise zu langsam beim Aktualisieren der Route, so gelangten wir öfter auf Feldwege, was uns im Endeffekt bestimmt 7 km Umweg gekostet hat.

Um 17 Uhr waren wir alle abgekämpft, hatten aber noch 25 km vor uns, bei unserer Geschwindigkeit würde das etwa 2,5 Stunden dauern. Ich bin noch nie 130 km an einem Tag mit dem Rad gefahren und sie kamen mir zudem wie 200 vor durch das ständige Auf und Ab. Ich war physisch und psychisch am Ende als Damian die letzten 7 km einläutete. Ich habe keine Ahnung wie ich das letzte Stück durchhalten konnte.

Um 19.30 Uhr waren wir endlich am Hostel. Es steht direkt an einer Steilküste und man hat eine schöne Aussicht über den Atlantik. Wir wurden freundlich begrüßt. Aber was sollten wir jetzt machen? Das Auto war nicht da. Wir hatten nichts zu Essen, keine Wechselsachen, kein gar nichts. Ich musste mich erst mal hinlegen. Dann ging ich duschen und musste mich mit einem Kopfkissenbezug abtrocknen. Frisch geduscht hatte ich keine andere Wahl als meine Fahrradsachen wieder anzuziehen. Ich wickelte mich in meine Decke und kuschelte mich ins Bett. Die freiwilligen Mitarbeiter aus dem Hostel versorgten uns spontan mit Dosensuppe und Schokoriegeln. Später gab es auch Pasta. Es war 23.30 Uhr als Jorrin und Ian auch endlich ankamen. Viel mehr habe ich an dem Abend auch nicht mehr mitbekommen…